Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung (IWK)
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Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung

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Biopolymere interessieren!

Biopolymere interessieren!

15. Februar 2011

Am vergangenen Donnerstag, 10. Februar 2011, reisten Kunststoff-Fachleute und interessierte Personen aus dem In- und Ausland an die Hochschule für Technik Rapperswil, um sich im Seminar Biopolymere und ihre Anwendungen fachlich weiterzubilden. Die vom Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung (IWK) organisierte Fachveranstaltung unter der Leitung und Moderation von Prof. Daniel Schwendemann stiess in der Industrie und Wirtschaft auf grosses Interesse.

 

Erfreuliche Besucherzahl

Die unerwartet hohe Teilnehmerzahl von über 70 Personen erfreute nicht nur den Veranstalter, sondern ist auch ein klares Zeichen dafür, dass das Seminar-Thema in der Branche top aktuell ist und dessen Anwendung in vielen Firmen rege diskutiert wird. Gerade deswegen erschien es dem IWK besonders wichtig, in diesem teils etwas unübersichtlichen und oft kontrovers diskutierten Fachthema mit dem Seminar die notwendigen Grundlagen zu vermitteln sowie Klarheit und Verständnis für dessen zukunftsträchtigen Anwendungen zu schaffen.

 

Roter Faden durch alle Referate

Das gut strukturierte und in verschiedene, aufeinander aufbauende Themenbereiche unterteilte Seminar bot mit dem ersten Themenblock „Einführung und Übersicht“ Einblick in die Welt der Biopolymere. Im ersten Referat des Tages sprach Frau Lena Scholz vom nova-Institut über die „Zukunft der Chemie- und Kunststoff-Industrie in einer bio-basierten Ökonomie“, wobei sie nach einleitenden Begriffsdefinitionen anhand der Rohstoffnutzung und anhand von Markt-Prognosen das Potential der Biopolymere aufzeigte. Anschliessend erklärte Dr.-Ing. Michael Thielen vom bioplastic MAGAZINE in seinem Referat mit dem Titel „Grundlagen der Biokunststoffe“ sehr anschaulich und verständlich, was nun genau Biokunststoffe sind, abhängig davon, ob die Typen biologisch abbaubar sind und/oder auf nachwachsenden Rohstoffen basieren.

 

Rege genutztes Networking

Nach einer ersten Kaffeepause, welche rege zum Networking genutzt wurde, führte Michael Kirch von der Firma Sukano AG mit seinem Referat „PLA – Wie fehlende Eigenschaften ergänzt werden“ in den zweiten Themenblock „Materialien und ihre Eigenschaften“ ein. Anhand anschaulicher Beispiele zeigte er auf, wie sich die Firma Sukano darauf spezialisiert hat mit Materialzusätzen gezielt die Eigenschaften von PLA zu verändern. Andre Sturzel von der EMS-Chemie AG stellte anschliessend in seinem Referat den Ursprung, die Verwendung sowie die Vor- und Nachteile von Biopolyamiden dar. Im Anschluss daran ging es in die Mittagspause, welche bei einem reichhaltigen Stehlunch in der Mensa und zwei parallelen Besichtigungsrundgängen durch die IWK-Labore schnell vorüber war. Gestärkt mit Kaffee und Dessert ging das Seminar um 13:40 Uhr weiter mit dem Vortrag „Thermoplastische Stärke: Eigenschaftsmodifikation durch Additive“. Dr. Matthis de Geus von der EMPA St. Gallen erklärte in seinem Referat anhand eines Forschungsprojekts, wie sich die Eigenschaften von Biokunststoffen auf Stärkebasis gezielt für einzelne Anwendungen verändern lassen.

 

Erfolgreiche Erfahrungen am Markt

Im dritten Themenblock „Anwendungen“ wurden einige beispielhafte und bereits erfolgreiche Industrieanwendungen vorgestellt. Dipl. Ing. Dierk Wiemann von der Firma PetroplastVinora AG zeigte in seinem Referat „Forderungen und Reaktionen des Marktes im Bereich flexibler Verpackungen“ anhand verschiedener mitgebrachter Beispiele, wie Biopolymere bereits heute erfolgreich in der Verpackungsindustrie eingesetzt werden. Auf das zweite Referat in diesem Block zum Thema „Spritzgiessen von Biopolymeren in industriellen Anwendungen“ musste leider kurzfristig durch den krankeitsbedingten Ausfall von Dr.-Ing. Sasan Habibi-Naini von der Sulzer Mixpac AG verzichtet werden. Dafür blieb etwas mehr Zeit für weitere Fragerunden und interessante Fachgespräche in kleineren Gruppen während der Kaffeepause. Das letzte Referat in diesem Bock wurde von Prof. Dipl.-Ing. Daniel Schwendemann zum Thema „Compoundierung und Spritzgiessen von Bioploymeren am IWK“ gehalten, worin er die heutigen und zukünftigen Möglichkeiten für gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit der Industrie hervor hob.

 

Interessensumfrage für Arbeitsgruppen

Neben der Vermittlung von Wissen hatte sich der Veranstalter mit dem Seminar auch zum Ziel gesetzt, das Interesse des Publikums zur Bildung eines Arbeitsclusters zum Werkstoff „Biopolymeren“ abzufragen sowie erste Themen dafür zu sammeln. Als Beispiel, wie so was konkret aussehen könnte, informierte Dipl. Biol. Markus Götz vom BIOPRO Baden Württemberg im letzten Referat vom Tag über die in ihrem Cluster bereits gemachten Erfahrungen und begründete dabei wie wichtig so ein Netzwerk sei. Zur Interessensumfrage wurden anschliessend Fragebogen verteilt. Das Ende des Seminars wurde mit einer Busfahrt in die HSR-Forschungsaussenstelle Eichwies in Jona eingeleutet, wo die mittlerweile gut ausgestattete Compoundieranlage des IWKs besichtigt und anschliessend nach letzten Fachgesprächen verdient der Nachhauseweg angepeilt werden konnte.

 

Alles in allem waren bereits während der Veranstaltung viele positive Stimmen hörbar, so dass zu hoffen bleibt, dass dem aktuellen Thema „Biopolymere“ bald schon ein weiteres spannendes Kunststofftechnik-Seminar folgen wird.